Hallo Münster, 2.12.09

„Keine Gratisarbeiter“
FreiwilligenAgentur hilft gerne, ersetzt aber nicht die Kommune / Runder Geburtstag

Ehrenamt ist „in“. Jeder Dritte engagiert sich bundesweit für die gute Sache. In Münster laufen diesbezüglich die Fäden – seit genau zehn Jahren – bei der FreiwilligenAgentur (FA) zusammen. Die berät, vermittelt, koordiniert, bildet weiter. Mit FA-Mitarbeiterin Andrea Evers hat sich HalloRedakteur Florian Levenig unterhalten.

Wann haben Sie sich zuletzt zum Wohle der Allgemeinheit engagiert?
Evers: Als Mutter zweier Kinder habe ich die freie Auswahl (lacht). Beispielsweise engagiere ich mich in der Schule, die meine Tochter besucht.

Wenn Sie die Arbeit der Freiwilligenagentur heute mit der vor zehn Jahren vergleichen: Was hat sich geändert?
Evers: Zum einen lag der Schwerpunkt im Bereich soziale Einrichtungen. Ein klassisches Beispiel ist der Besuch im Altenheim, um dort den Menschen zwei Stunden vorzulesen. Inzwischen gibt es deutlich mehr Einsatzfelder: in der Politik, in der Kirche, im Sportverein, in der Kultur, im Umweltschutz. Zum anderen engagieren sich längst nicht mehr nur wie früher Menschen, die aus dem Berufsleben raus sind und über mehr Freizeit verfügen.

Kommen auch junge Menschen zu Ihnen?
Evers: Ja. In Münster sind es über 40 Prozent. Die tun nicht zwangsläufig ihr Leben lang dasselbe, haben aber vielleicht gerade jetzt die Motivation,
sich in einem ganz bestimmten Bereich zu engagieren. Um beispielsweise erste
Erfahrungen für ihr späteres Berufsleben zu sammeln. Und: Wer sich in jungen Jahren in den Dienst der Allgemeinheit stellt, der bleibt, das zeigt die Erfahrung, häufig bei der Stange.

Was bekommt jemand – abgesehen von einem guten Gewissen – dafür, dass er sich unentgeltlich betätigt?
Evers: Nehmen Sie den Studenten, der neu in der Stadt ist – und über das Ehrenamt Kontakte knüpft, Gleichgesinnte trifft. Oder er nimmt an einer
der zahlreichen Fortbildungen teil, die wir anbieten – und die teils ganz speziell auf bestimmte Berufe zugeschnitten sind. Der angehende Lehrer zum Beispiel, der sich im Bereich Hausaufgabenbetreuung weiterbildet. Oder der Biologe, der Neues zum Thema Planzenbestimmung erfährt.

Zum Geburtstag darf man sich in aller Regel was wünschen. Wie wär‘s mit einem höheren Etat?
Evers: Wehren würden wir uns sicher nicht, hätten wir mehr Geld zur Verfügung
(lacht). Gerade für Qualifizierungsmaßnahmen oder langfristige Projekte. Anderseits steht Münster mit einem Jahresetat von 120 000 Euro und anderthalb hauptamtlichen Kräften im Vergleich mit anderen Kommunen ziemlich gut da. Besonders positiv ist, dass wir jetzt in der Dauerfinanzierung sind. Bis 2008 war die finanzielle Unterstützung projektgebunden – und wir wussten nie
genau, ob und wie es nach drei Jahren weitergeht.

Bürgerschaftliches Engagement gewinnt zunehmend an Bedeutung. Für die Stadt in Zeiten knapper Kassen ein Segen. Oder?
Evers: Nein, das widerspräche unserem Grundsatz. Wir setzen bewusst keine Gratisarbeiter dort ein, wo die Kommunen gefordert sind. Das mag im Alltag nicht immer voneinander zu trennen sein. Aber das, was die Freiwilligen leisten,
sollte immer Zugabe sein.

Am Freitag (4. Dezember) lädt die FA um14 Uhr zu einer Feierstunde ins Gesundheitshaus (Gasselstiege 13) ein.