Westfälische Nachrichten, 08.04.10: Zuwanderer integrieren

FreiwilligenAgentur wird Modellagentur

(Münster - gh)
Zuwanderer sollen gezielter angesprochen werden. Ihre ehrenamtliche Mitarbeit ist gefragt. Münsters Sozialdezernent Thomas Paal setzt darauf, dass sich dann noch mehr Freiwillige in dieser Stadt engagieren.

Vielleicht, so der Sozialdezernent, nehmen dann auch mehr Menschen mit Zuwanderungsgeschichte kleine Alltagshilfen in Anspruch. Thomas Paal präsentierte gestern gemeinsam mit Paul Claahsen von der kommunalen Stiftung Siverdes, Trägerin der Freiwilligenagentur Münster, ein neues Projekt „Integriert durch Engagement“. Bisher, bedauert Claahsen, sei der Kontakt zu Menschen mit Zuwanderungsgeschichte eher zufällig zustande gekommen.

„Wenn sich jemand engagiert, dann hat er eine Alltagsintegration schon hinter sich gelassen“, erklärt Nilgün Daglar-Sezer. Die Soziologin weiß, worum es geht, wenn sie über Integration spricht. Die 26-Jährige hat sich unter anderem mit der Integration von Menschen in münsterischen Kleingärtnervereinen beschäftigt. Missverständnisse, sagt sie, seien häufig der Grund für Ärger und sorgten zunächst für eine soziale Distanz.

Nilgün Daglar-Sezer, deren Eltern aus der Türkei stammen, ist in Deutschland geboren und aufgewachsen, hat hier studiert und ist jetzt verantwortlich für das Projekt „Integriert durch Engagement“ der Freiwilligenagentur Münster. „Wir wollen Menschen mit Zuwanderungsgeschichte beraten und in freiwillige Tätigkeiten vermitteln“, beschreibt Paul Claahsen das Ziel. „Menschen mit
Zuwanderungsgeschichte sollen dazugehören, wie jeder andere auch“, sagt Sozialdezernent Thomas Paal.

Dass sich viele Münsteraner mit Zuwanderungsgeschichte schon in erheblichem Umfang in ihren Organisationen engagieren, davon berichtet Spyros Marinos, Vorsitzender des Integrationsrates Münster. Neben einer ersten Kontaktaufnahme zu den Migrantenorganisationen ist für Paul Claahsen das Projekt „Von Mensch zu Mensch“ ein wichtiger Baustein. Rund 400 Freiwillige
leisteten dabei in 22 Stadtteilinitiativen ganze Arbeit und helfen Menschen, den Alltag besser zu bewältigen. Freiwillige mit Zuwanderungsgeschichte könnten gleichzeitig dafür sorgen, so Claahsen, dass alte Menschen mit Migrationshintergrund die Hilfe in Anspruch nehmen.

Thomas Paal , Spyros Marinos, Paul Claahsen und Nilgün Daglar-Sezer (v.l.) stellen das Projekt "Integriert durch Engagement" vor. Foto: gh