Westfälische Nachrichten, 12.04.10: Vorstände verzweifelt gesucht - weniger Freiwillige für Ehrenämter
(Münster, Karin Völker)
In Münster gibt es etwa 1600 Vereine. Über 250 000 Menschen sind dort Mitglied. Vereine sorgen für Freizeit- und Sportangebote, organisieren Kultur, Umweltschutz oder soziale Unterstützung. Für jeden zweiten Verein aber ist es inzwischen schwierig, Freiwillige für die Arbeit in den Vorständen zu finden. Das ist das aktuelle Ergebnis einer Studie des Instituts für Non-Profit-Management an der Universität Münster im Auftrag der Robert-Bosch-Stiftung.
„Wir wollten herausfinden, ob es sich bei den Klagen einzelner Vereine über mangelnde Bereitschaft zum Ehrenamt um ein breites ernst zu nehmendes Problem handelt“, erklärt Dr. André Wolf, der gemeinsam mit Prof. Annette Zimmer die Studie bei gut 800 Vereinen in Münster durchgeführt hat. Rund 250 haben den Fragebogen beantwortet.
Das prinzipielle Problem, Freiwillige für ein Vorstandsamt zu finden, wird ergänzt von der Schwierigkeit, für die Ehrenämter hinreichend Qualifizierte zur Mitarbeit zu bewegen. Besonders häufig klagen Sportvereine, in denen mit Abstand die meisten Münsteraner organisiert sind, über diese Probleme. 54 Prozent haben Besetzungsschwierigkeiten.
Noch einmal schwieriger wird es für Vereine, in denen die Vorstandsmitglieder Personalverantwortung für Angestellte tragen müssen, es aber keinen hauptamtlichen Geschäftsführer gibt. „Aufgaben und Kompetenzerfordernisse wachsen“, sagt Dr. Wolf.
Die zunehmende Verantwortung werde auch zur persönlichen Last und wirke auf potenzielle Nachfolger abschreckend.
Dietmar Wiese, Geschäftsführer des Stadtsportbundes, sieht die Probleme nicht so gravierend, bestätigt aber, dass es Vereine in der Stadt gibt, die einzelne Positionen nicht mehr besetzen können. Bei SV Teutonia etwa gebe es keinen stellvertretenden Vorsitzenden mehr, die Turngemeinde Münster sei schon länger dazu übergegangen, einen mehrköpfigen Vorstandssprecherkreis zu bilden, um keinen Präsidenten finden zu müssen.
Waldemar Wieczorek, Vorsitzender von Westfalia Kinderhaus, bestätigt, dass es mitunter schon kompliziert sei, Freiwillige für die Vorstands-Arbeit in den Abteilungen zu finden. Er selbst investiert an die 20 Stunden Arbeit pro Woche für den Verein - „Zeit die nicht jeder aufbringen kann“, gibt er freimütig zu.
Auch bei weniger Aufwand wird es mitunter schwer, Vorsitzende zu küren, weiß Hans-Peter Leßmann, Vorsitzender im Stadt- und Bezirksverband der Kleingärtner. Er selbst hat 16 Jahre Vorstandsarbeit in seinem Kleingartenverein Bergbusch hinter sich - und ist froh, dass sich dort inzwischen für ihn ein Nachfolger gefunden hat.
Ganz wichtig: Wenn die Chemie im Vorstand nicht stimmt, wird es schwer die Freiwilligen bei der Stange zu halten. Lothar Hitziger, seit über zwölf Jahren Vorsitzender des Kleingartenvereins Große Dahlkamp, fasst zusammen: „Ohne Spaß geht es nicht.“

